Mikaela Shiffrin stellt vor ihrer 17. Weltcup-Saison ihr Programm um: Die 31-jährige US-Amerikanerin will im Winter 2026/27 deutlich weniger Slaloms bestreiten und sich stärker auf Riesenslalom und Super-G konzentrieren. Die Rekordsiegerin kündigte die Neuausrichtung am Dienstag an und nennt den kommenden Winter selbst eine „Saison der Erkundung“.
Konkret heißt das: Shiffrin lässt die ersten Slaloms des Winters in Levi und Gurgl aus. Gerade Levi ist für sie ein besonderer Ort – im finnischen Lappland hat sie neun Mal gewonnen. Ihr erster Torlauf der Saison ist für den 29. November beim Heimweltcup in Killington (Vermont) geplant. Ein kompletter Abschied vom Slalom ist das ausdrücklich nicht.
„Nicht weniger, weil mir weniger daran liegt“
Die Begründung liefert Shiffrin selbst. Nach 16 Jahren im Weltcup sei ihr Fokus mehr oder weniger immer gleich geblieben, sagte sie laut NBC Sports: Slalom, Riesenslalom und hin und wieder etwas Speed. Nun wolle sie die Gewichte verschieben. „Ich versuche hier etwas Neues, und es ist anders und ein bisschen beängstigend“, wird sie zitiert. „Es ist ziemlich unbequem, aber auch sehr, sehr aufregend.“
Gleichzeitig wehrt sie sich gegen den Eindruck, ihr Ehrgeiz lasse nach: „Ich mache nicht weniger, weil mir weniger daran liegt. Ich mache etwas anderes, weil mir immer noch so viel daran liegt“, sagte die Amerikanerin. Laut Laola1 begründet sie den Schritt auch mit dem Wunsch nach mehr Erholung und Flexibilität. Weniger Slaloms könnten ihr zudem mehr Zeit zu Hause in Colorado ermöglichen. Die Saison von Oktober bis März verbringt sie sonst fast komplett in Europa.
Eine Rolle spielt auch die jüngere Vergangenheit: Nach ihrem schweren Riesenslalom-Sturz 2024 machte Shiffrin öffentlich, dass bei ihr im Februar 2025 eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden war.
Die Bilanz: 110 Siege, 73 davon im Slalom
Wie radikal der Schritt ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Von ihren 110 Weltcupsiegen holte Shiffrin 73 im Slalom. Auch der vergangene Winter war von der Disziplin geprägt: Sie gewann die kleine Kristallkugel im Slalom vor der Schweizerin Camille Rast und bei den Spielen in Mailand-Cortina ihr zweites Olympiagold im Slalom.
Ski Alpin„Kalender ist voll“: Aicher und Weidle-Winkelmann gegen jährliche WMDazu holte sie ihren sechsten Gesamtweltcup – mit 87 Punkten Vorsprung auf die Deutsche Emma Aicher. Für den Kampf um die große Kugel ist die neue Prioritätensetzung deshalb auch aus deutscher Sicht interessant: Verzichtet Shiffrin auf mehrere Slaloms, fehlen ihr dort sichere Punkte, die sie dann in Riesenslalom und Super-G holen müsste. Aicher war im vergangenen Winter bereits in mehreren Disziplinen vorne dabei.
Comeback im Super-G als Ziel
Im Super-G liegt Shiffrins letzter Weltcupsieg bereits einige Zeit zurück: Er datiert vom Dezember 2022, in der Abfahrt gewann sie zuletzt 2023. Wie viele Speedrennen sie im kommenden Winter tatsächlich fahren wird, ließ sie zunächst offen. Ein fester Rennplan über die bekannten Eckpunkte hinaus liegt noch nicht vor.
Höhepunkt der Saison ist die Weltmeisterschaft im Februar in Crans-Montana. Ob Shiffrin dort auch im Slalom antritt, wird sich erst im Laufe des Winters zeigen. Klar ist dagegen der Auftakt: Am 24. Oktober soll Shiffrin beim Riesenslalom der Frauen in Sölden am Start stehen. Am Rettenbachferner bekommen ihre Rivalinnen damit erstmals zu sehen, wie die neue Ausrichtung im Rennen aussieht.



