Fünf Monate vor dem geplanten Weltcup-Debüt steht hinter Narvik ein großes Fragezeichen. Der Internationale Ski- und Snowboardverband FIS kann die Frauenrennen vom 12. bis 14. März 2027 im Norden Norwegens weiterhin nicht bestätigen. Im offiziellen Kalender sind sie nach wie vor mit „TBC“ markiert, also „to be confirmed“. Geplant sind eine Abfahrt, ein Super-G und zwei Abfahrtstrainings.
Nach seiner ersten Inspektion am Narvikfjellet fand FIS-Renndirektor Peter Gerdol im Gespräch mit dem norwegischen Rundfunk NRK deutliche Worte: „Sie müssen an allem arbeiten: Piste, Beschneiung, Lift, Sicherheitsinstallationen – also an allem.“ Er schob ein Bild hinterher, das kaum Interpretationsspielraum lässt: „Man kann keine Fußballspiele austragen, wenn man keinen Platz hat.“
Beschneiung muss Anfang Dezember starten
Der Zeitplan ist eng. Damit die Piste rechtzeitig präpariert werden kann, muss laut NRK spätestens Anfang Dezember mit der Schneeproduktion begonnen werden. Bis dahin müssen Anlagen stehen, die heute noch nicht fertig sind. Schon nach der Begehung am Donnerstag hatte Gerdol angekündigt, dass in den kommenden Tagen Gespräche folgen und weitere Informationen kommen würden. Die FIS schließt außerdem eine weitere Inspektion in den nächsten Wochen nicht aus, bevor sie endgültig entscheidet.
Das Projekt ist gewaltig. Für mehr als 700 Millionen norwegische Kronen wird das Skigebiet seit Mai 2025 umgebaut. Der Weltcup 2027 sollte die erste große Generalprobe sein, bevor Narvik 2028 Testrennen und 2029 die alpine Weltmeisterschaft ausrichtet.
Gerdols Urteil fällt deshalb so ins Gewicht, weil das Weltcup-Wochenende nicht nur ein Rennen ist, sondern auch ein Belastungstest. Bei der Generalprobe zeigt sich, ob Lift, Beschneiung und Sicherheitsnetze unter Rennbedingungen funktionieren. Fehlt diese Probe, müsste Narvik den Härtetest später unter größerem Zeitdruck nachholen.
Organisationschef bleibt gelassen
Knut-Eirik Dybdal, Chef des WM-Organisationskomitees, sieht keinen Grund zur Panik. Der Bau liege im Plan, sagte er der NRK. Vorrang hätten die Testrennen 2028 und die WM 2029, nicht ein einzelnes Weltcup-Wochenende. Bevor man unnötige Risiken eingehe, sei er bereit, auf das Rennen im kommenden März zu verzichten.
Ski AlpinChikungunya-Martyrium: Sofia Goggia verpasst den Weltcup-Start in SöldenNicht alle teilen diese Ruhe. NRK-Alpinexperte Lars Elton Myhre meint, Narvik sollte sich durchaus Sorgen machen. Testrennen seien eine wichtige Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft, und ohne Generalprobe fehle dem Veranstalter wertvolle Erfahrung mit Strecke, Abläufen und Wetter am Polarkreis.
Was ein Ausfall für den Kalender bedeuten würde
Für die Speed-Fahrerinnen geht es um zwei Rennen in der heißen Phase des Winters. Mitte März wird traditionell um die Kristallkugeln in Abfahrt und Super-G gefahren. Fällt Narvik aus, müsste die FIS entweder einen Ersatzort finden oder die Rennen streichen, was den ohnehin knappen Speed-Kalender weiter schrumpfen ließe. Für Norwegen wiederum wäre ein Frauen-Weltcup in Narvik ein seltenes Heimspiel in den schnellen Disziplinen.
Die Kritik kommt in einer unruhigen Phase für den alpinen Weltcup, wenige Tage nachdem Markus Waldner seinen Rücktritt als FIS-Renndirektor erklärt hatte. Bis zum Saisonstart am 24. Oktober in Sölden wird sich in Narvik wenig klären. Entscheidend wird die nächste Inspektion und damit die Frage, ob die Bagger am Narvikfjellet rechtzeitig Platz für Schneekanonen machen.



