Paukenschlag wenige Monate vor der alpinen Ski-WM 2027: Claude-Alain Schmidhalter ist am Mittwoch als Präsident des Organisationskomitees in Crans-Montana zurückgetreten. Zugleich legte der Walliser sein Amt als Vizepräsident von Swiss-Ski nieder. Auslöser ist eine Anklage der Walliser Staatsanwaltschaft wegen Betrugs und ungetreuer Geschäftsbesorgung. Schmidhalter weist die Vorwürfe zurück, es gilt die Unschuldsvermutung.
Erst suspendiert, dann zurückgetreten
Die Reihenfolge der Ereignisse ist bemerkenswert. Zunächst hatte Swiss-Ski seinen Vizepräsidenten vorläufig von beiden Funktionen suspendiert, also als Verbandsvize und als OK-Präsident der WM. Schmidhalter reagierte darauf umgehend. „Ich nehme den Entscheid zur Kenntnis und respektiere ihn. Ich ziehe daraus die Konsequenzen und trete per sofort als Präsident des Organisationskomitees zurück“, wurde er zitiert. Er handle, weil die WM jetzt Klarheit brauche. Ein OK-Präsident, der auf unbestimmte Zeit ausfalle, würde dem Projekt schaden, an dem er jahrelang gearbeitet habe.
Swiss-Ski-Präsident Peter Barandun zollte dem Schritt Respekt. „Das ist eine konsequente Haltung“, sagte Barandun. Er bezeichnete Schmidhalter als „starke Persönlichkeit“, die über Jahre vorbildliche Arbeit geleistet habe. Die Suspendierung diene dem Schutz der Integrität der Organisation.
Die Vorwürfe haben keinen Bezug zur WM
Die Anklage betrifft nicht den Skisport, sondern Schmidhalters unternehmerische Tätigkeit. Laut Schweizer Medienberichten geht es um sein Ingenieurbüro in Brig-Glis. Er soll zusammen mit einem mutmaßlichen Komplizen einen früheren Geschäftspartner um mehr als 300.000 Franken geschädigt haben. Einen Zusammenhang mit der WM oder mit Swiss-Ski gibt es nach bisherigem Stand nicht. Verhandelt wird der Fall vor dem Bezirksgericht Brig, laut Berichten am 27. Oktober.
Schmidhalter ist seit 2016 Vizepräsident von Swiss-Ski. Die Leitung des WM-Komitees hatte er von Urs Lehmann übernommen. Lehmann, der langjährige Präsident von Swiss-Ski, war als CEO zum Weltverband FIS gewechselt. Damit verliert die WM nun schon zum zweiten Mal ihren OK-Chef.
Ski Alpin„Kalender ist voll“: Aicher und Weidle-Winkelmann gegen jährliche WMBrisant ist der Rücktritt auch wegen Schmidhalters Doppelrolle. Als Vizepräsident von Swiss-Ski und gleichzeitig als WM-Chef verband er den Verband und das Wallis wie kaum ein anderer Funktionär. Mit seinem Rücktritt aus beiden Ämtern verliert Swiss-Ski in der heißen Phase vor der Heim-WM eine zentrale Figur. Der Verband begründete die Suspendierung ausdrücklich mit dem Schutz der Integrität der Organisation, nicht mit einem Urteil über die Vorwürfe.
Doppelspitze übernimmt interimistisch
Für die Übergangszeit stehen die Nachfolger bereits fest. Sébastien Rey, Vizepräsident der Vereinigung der Gemeinden von Crans-Montana, und Diego Züger, Co-CEO von Swiss-Ski, führen das Organisationskomitee gemeinsam. Die Doppelspitze soll den Betrieb ohne Bruch weiterführen, denn die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Weltmeisterschaften im Wallis sind für Februar 2027 angesetzt.
Für Swiss-Ski kommt die Affäre zur Unzeit. Die Schweizer gehen mit Marco Odermatt als Aushängeschild in einen Heimwinter, der seinen Höhepunkt in Crans-Montana haben soll. Schon die Vergabe der WM an den Walliser Ferienort war von Nebengeräuschen begleitet gewesen. Der Weltcup-Auftakt in Sölden steht Ende Oktober an. Wenige Tage danach entscheidet sich vor dem Bezirksgericht Brig, wie es für Schmidhalter persönlich weitergeht. Die WM in Crans-Montana wird dann allerdings ohne ihn stattfinden.



