Marco Schwarz zieht einen Schlussstrich unter seine Slalom-Karriere – zumindest vorerst. Der 31-jährige Kärntner gab am Dienstag bei einem Pressetermin seines Kopfsponsors in Wien bekannt, dass er sich ab der kommenden Weltcup-Saison auf Riesenslalom, Super-G und ausgewählte Abfahrten konzentrieren wird. Den Slalom werde er „ausklingen lassen“, sagte der ÖSV-Läufer. Damit ändert sich das Profil eines Athleten, der jahrelang als Allrounder in allen Disziplinen um Weltcuppunkte mitgefahren ist.
„Eine der härtesten Entscheidungen“
Leicht gefallen ist Schwarz der Schritt nicht. „Es war eine der härtesten Entscheidungen, die ich bis jetzt hatte“, sagte er laut SRF. „Aber mit dem ganzen Drumherum, den Planungen und dem FIS-Kalender lässt sich das nicht mehr vereinbaren.“ Vier Disziplinen auf höchstem Niveau seien im dichten Weltcup-Kalender und angesichts der körperlichen Belastung nicht mehr sinnvoll unter einen Hut zu bringen.
Schwarz formulierte sein Ziel deutlich: „Es macht mehr Sinn, sich auf gewisse Sachen zu fokussieren, als in vier Disziplinen Mittelmaß zu sein“, wird er von heute.at zitiert. Er wolle die Kräfte bündeln, „dass ich Rennen gewinnen kann und Podestplätze einfahren kann“.
Ganz zu ist die Tür allerdings nicht. Laut SRF will Schwarz weiterhin Slalom trainieren. Nach der Weltmeisterschaft in Crans-Montana im Februar könnte er demnach auch wieder ausgewählte Weltcup-Slaloms bestreiten.
Die Knieverletzung als Wendepunkt
Mit dem Rückzug verabschiedet sich einer der vielseitigsten Österreicher aus der Disziplin, in der er groß geworden ist. Drei seiner acht Weltcupsiege holte Schwarz im Slalom: 2021 in Adelboden und Schladming sowie im Dezember 2023 in Madonna di Campiglio. Hinzu kommen laut Olympia.at insgesamt 14 Slalom-Podestplätze, darunter vier zweite und sieben dritte Ränge. 2021 gewann er die kleine Kristallkugel im Slalom.
Der Sieg in Madonna di Campiglio war zugleich der letzte große Slalom-Moment. Nur eine Woche später stürzte Schwarz schwer und zog sich einen Kreuzband- und Meniskusriss sowie einen Knorpelschaden im Knie zu. Seither fand er laut Olympia.at im Slalom nicht mehr zur alten Konstanz zurück. Sein bislang letzter Slalom im Weltcup endete im März in Lillehammer auf Rang 19.
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Für das ÖSV-Team bedeutet die Entscheidung eine Verschiebung der Kräfte. Im Slalom fehlt künftig ein erfahrener Siegfahrer. In den schnellen Disziplinen und im Riesenslalom gewinnt Österreich dafür einen Athleten, der seine Energie gezielter einsetzen kann. Schwarz gilt als einer der wenigen Läufer, die Marco Odermatt im Gesamtweltcup herausfordern können. Ohne Slalom fallen für ihn zwar Punkte weg, dafür bleibt mehr Zeit für Training und Regeneration zwischen den Rennen in seinen Kerndisziplinen.
Mit seiner Entscheidung steht Schwarz in diesem Herbst nicht allein: Am selben Tag kündigte auch Mikaela Shiffrin an, ihr Slalom-Pensum deutlich zu reduzieren und sich stärker auf Riesenslalom und Super-G zu konzentrieren.
Die erste Bewährungsprobe für den neuen Schwerpunkt folgt in gut zwei Wochen: Der Weltcup startet am 24. und 25. Oktober mit den Riesenslaloms in Sölden, die Männer fahren am Sonntag auf dem Rettenbachferner.



