Zwei Wochen vor dem Weltcup-Auftakt in Sölden wehren sich die deutschen Speed-Hoffnungen gegen eine weitere Aufblähung des Rennkalenders. Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann lehnen die Idee jährlicher Alpin-Weltmeisterschaften ab, die der neue FIS-Präsident Alexander Ospelt ins Gespräch gebracht hat. „Der Kalender ist eigentlich voll. Von Sölden bis zum Finale ist jedes Wochenende Programm“, sagte Weidle-Winkelmann.
Ospelts Plan: WM in jedem Nicht-Olympia-Jahr
Der Luxemburger Ospelt hatte vorgeschlagen, alpine Weltmeisterschaften künftig nicht mehr nur in ungeraden Jahren, sondern in jedem Jahr ohne Olympische Winterspiele auszutragen. Das FIS-Council unterstützt die Überlegungen öffentlich; im Raum stehen ein Start ab 2032, möglicherweise sogar schon ab 2028. Ospelt argumentiert, ein WM-Titel habe für die Athletinnen und Athleten einen erheblichen finanziellen Wert. Zudem könnten kleinere Nationen zusätzliche Chancen als Gastgeber erhalten, und über Titelkämpfe ließen sich neue Märkte wie China, Japan oder Südkorea erschließen.
Schon jetzt ist das Programm dicht: Der Weltcup-Kalender 2026/27 umfasst sieben Rennen mehr als die Olympia-Saison 2025/26. Los geht es am 24. und 25. Oktober mit den Riesenslaloms in Sölden, das Finale steigt vom 18. bis 25. März 2027 in Sun Valley.
Aicher: „Wenn man müde ist, kann es immer gefährlich werden“
Besonders betroffen wäre eine Allrounderin wie Emma Aicher, die in allen Disziplinen um Spitzenplätze mitfährt. „Ich fahre ja sehr gerne Rennen, wüsste aber nicht, wann sie noch mehr Rennen reinbringen wollen“, sagte die 22-Jährige. „Ab Mitte November bis Ende März ist es eigentlich voll. Da ist jedes Wochenende etwas, manchmal sogar unter der Woche.“
Aicher sieht dabei auch die Athletinnen selbst in der Verantwortung, ihre Kräfte einzuteilen – und warnt vor den Folgen einer Überlastung: „Wenn man müde ist, kann es immer gefährlich werden.“ Dass Stars wie Mikaela Shiffrin oder Marco Schwarz in diesem Winter bereits bewusst Rennen auslassen, zeigt, wie sehr der volle Kalender die Planung der Topathleten prägt.
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Weidle-Winkelmann, die bei den Winterspielen in Italien Silber in der Team-Kombination gewann, stört weniger die Menge als die Verteilung. Die 30-Jährige kritisiert ein Ungleichgewicht zwischen den Disziplinen: Aus ihrer Sicht gibt es zu wenige Abfahrten und Super-G, dafür zu viele Technikrennen. Zudem fallen Speed-Rennen immer wieder Absagen zum Opfer – ein zusätzliches Großereignis würde dieses Problem aus ihrer Sicht nicht lösen.
Rückendeckung bekommen die beiden von Bundestrainer Andreas Puelacher. Für vielseitige Athletinnen wie Aicher, die in mehreren Disziplinen unter die besten fünf fahren können, würde die Saisonplanung mit einer jährlichen WM „sehr schwierig“, sagte der 62-Jährige. Sein Fazit fällt deutlich aus: „In meinen Augen müsste man die Qualität der Rennen anheben und nicht die Menge der Rennen.“
Entschieden ist noch nichts. Bis die FIS ihre WM-Pläne konkretisiert, steht für Aicher und Weidle-Winkelmann ohnehin ein volles Programm an – beginnend mit dem Riesenslalom der Frauen in Sölden am 24. Oktober.



