Gut drei Wochen vor dem Weltcup-Auftakt in Sölden hat das Schweizer Speed-Team ein unerwartetes Problem: Es fehlt der Schnee. Wie der Blick berichtet, liegt auf dem Theodulgletscher oberhalb von Zermatt wegen der anhaltend hohen Temperaturen kaum Schnee – selbst am Fuß des Matterhorns. Dort wollten die Abfahrer und Super-G-Spezialisten von Swiss-Ski im Oktober eigentlich ihre Saisonvorbereitung fortsetzen.
Plan B: Zurück nach Südamerika
Männer-Cheftrainer Tom Stauffer und Speed-Chef Reto Nydegger haben deshalb einen außergewöhnlichen Notfallplan ausgearbeitet. Kommt auf dem Gletscher in Zermatt nicht bald Neuschnee dazu, könnte das Team erneut nach Chile fliegen, wo die Verhältnisse im Gegensatz zu Europa weiterhin ausreichend sind. Erst am vergangenen Samstag war die Gruppe um Olympiasieger Franjo von Allmen von einem dreiwöchigen Schneelager in Südamerika zurückgekehrt.
Die Vorbereitung auf diesen Fall lief bereits vor der Abreise: Die Schweizer ließen ihre Ski bewusst im Cargo-Lager in Chile zurück, um bei Bedarf schnell wieder einsteigen zu können. Die Entscheidung, ob das Team in der Schweiz bleibt oder noch einmal den Langstreckenflug antritt, sollte laut Blick an diesem Donnerstag nach Rücksprache mit einem Meteorologen fallen.
Ganz ohne Hoffnung ist die Lage nicht. Nydegger verwies auf die Prognose des Wetterexperten, der für das Wochenende eine Abkühlung in der Matterhorn-Region mit rund zehn Zentimetern Neuschnee erwartet. Das würde nach Einschätzung des Speed-Chefs bereits erheblich helfen.
Von Allmen glänzt, Odermatt holt auf
Sportlich verlief das Lager in Chile für die Schweizer vielversprechend. Von Allmen setzte in den teaminternen Trainingsläufen laut Blick eine Bestzeit nach der anderen. Nydegger attestierte dem 25-Jährigen, sich enorm gesteigert zu haben; er fahre inzwischen bemerkenswert konstant und sei in den vergangenen Wochen kaum noch gestürzt.
Marco Odermatt reiste wegen einer Muskelverletzung aus dem August verspätet nach Chile, absolvierte dort aber noch neun Trainingstage in Riesenslalom, Abfahrt und Super-G. Cheftrainer Stauffer räumte ein, dass für speziellere Arbeit die Zeit fehlte, sprach aber von einer guten Basis, die gelegt worden sei. Odermatt selbst berichtete nach seiner Ankunft von einigen richtig guten Trainingstagen.
Ski AlpinFIS-Beben geht weiter: Trinkl lehnt Waldner-Nachfolge abGanz reibungslos verlief der Aufenthalt in Südamerika allerdings nicht. Die Bedingungen schwankten zwischen weichem Schnee, einigen hervorragenden Tagen und schließlich zu großer Wärme. Ein ursprünglich geplantes gemeinsames Training mit internationaler Konkurrenz wie dem Italiener Dominik Paris kam deshalb nicht zustande.
Odermatt bleibt in der Nähe
Für Odermatt stellt sich die Chile-Frage ohnehin nicht. Der Riesenslalom-Spezialist muss bis zum Saisonstart keine weiten Reisen mehr antreten, weil es für seine Disziplin in den kommenden Wochen mehrere Trainingsmöglichkeiten in der Nähe gibt. Sein Team prüft laut Laola1 Pisten auf der Diavolezza, im Südtiroler Schnalstal und im Pitztal. Möglicherweise kann er in rund zwei Wochen sogar auf der Rennstrecke in Sölden trainieren.
Dort beginnt am 24. Oktober mit dem Riesenslalom der Weltcup-Winter 2026/27. Für von Allmen und die übrigen Speed-Fahrer geht es dagegen vor allem darum, im Oktober überhaupt genügend Kilometer auf Abfahrtsski zu sammeln – ob am Matterhorn oder erneut auf der anderen Seite der Welt.



