Der Liechtensteinische Skiverband (LSV) hat das Schneetraining seiner Weltcup-Starterinnen Charlotte Lingg und Madeleine Beck von der Schweiz nach Ushuaia in Argentinien verlegt. In einer Medienmitteilung, die SKINEWS.CH im Wortlaut wiedergibt und die auch die lie:zeit veröffentlicht hat, beschreibt der Verband, wie der Klimawandel seine Saisonvorbereitung verändert.
Pisten auf den Gletschern Anfang August geschlossen
Laut LSV müssen die Trainingsmöglichkeiten auf den Alpengletschern immer häufiger eingeschränkt oder, wie 2026, ganz eingestellt werden. Die nahegelegenen Trainingsgebiete in Zermatt, Saas-Fee und am Stilfser Joch hätten den Sommermonaten nicht mehr standgehalten und ihre Pisten Anfang August geschlossen. Als Gründe nennt der Verband steigende Temperaturen, schwindende Schneereserven und den Rückzug der Gletscher.
Auch die Sicherheit spiele eine Rolle: Die extreme Hitze des Sommers 2026 habe in den französischen Alpen zu einer erheblichen Destabilisierung hochalpiner Gebiete geführt. Durch das Auftauen von Permafrost und Eis veränderten sich Fels- und Gletscherstrukturen und damit die sicheren Bedingungen für Pistenarbeiter und Rennläufer.
Für Riesenslalom, Slalom, Super-G und Abfahrt sei Training auf präparierten Pisten kaum durch Skihallen oder Skiteppiche zu ersetzen, so der LSV. Die Athletinnen und Athleten im Elite- und Juniorenbereich bräuchten im Sommer und Frühherbst möglichst viele Trainingstage auf hochwertigem Schnee – für Technik, Materialabstimmung und Rennlinien.
Fünfköpfiges Team in Feuerland
Chefcoach Kurt Mayr sah sich laut Mitteilung Mitte August gezwungen, das Schneetraining der beiden kurzerhand nach Argentinien zu verlegen. Im Ski Resort Ushuaia findet das fünfköpfige Team – zwei Coaches, zwei Athletinnen und ein Servicemann – nach Angaben des Verbands beste Bedingungen, um Trainingskilometer zu sammeln. „2026 nutzt erstmals auch wieder das Damenteam des LSV um Lingg und Beck die südamerikanischen Winterbedingungen“, heißt es in der Mitteilung. Ushuaia habe sich zu einem bedeutenden Trainingsstandort für internationale Skiteams entwickelt.
Ski AlpinFIS-Beben geht weiter: Trinkl lehnt Waldner-Nachfolge abBudget unter Druck
Sportlich sei die Lösung sinnvoll, organisatorisch und finanziell aber eine erhebliche zusätzliche Belastung, schreibt der LSV. Flüge nach Übersee, Transporte von Ski und Rennmaterial, Unterkunft, Verpflegung, Transfers, Betreuungspersonal und längere Aufenthalte kosteten deutlich mehr als Training in den Alpen. Für kleinere Nationen wie Liechtenstein könnten die Folgen besonders gravierend sein.
Auch für 2026/27 kündigt der Verband strenge Budgetdisziplin an und will Partner und Sponsoren gewinnen. Fließen immer größere Teile des Budgets in die Sicherstellung des Trainings, fehle es künftig an Nachwuchsförderung, Trainingsentwicklung und zusätzlicher Betreuung. Hinzu komme der höhere ökologische Fußabdruck, wenn Sportlerinnen und Sportler Tausende Kilometer weit fliegen müssen.
„Die Frage für den alpinen Skisport lautet deshalb nicht mehr nur, wie man schneller Skifahren bzw. Skilaufen kann. Sie lautet zunehmend auch: Wo kann in Zukunft überhaupt noch trainiert werden – und wer kann sich dieses Training leisten?“
Setzt sich der Trend fort, wird laut LSV die Fähigkeit, internationale Trainingslager zu finanzieren, zunehmend darüber entscheiden, ob der Verband seinen Athletinnen und Athleten noch optimale Voraussetzungen für den Spitzensport bieten kann.


