Benjamin Karl hat sich zur Kritik an seinem Snowboard-Comeback geäußert. Im Gespräch mit der „Tiroler Tageszeitung“ sprach der 40-jährige Doppel-Olympiasieger über die Vorbehalte seiner ÖSV-Teamkollegen, über die Anfeindungen in den sozialen Medien und über die Reaktion seiner Frau Nina.
Karl hatte seine Karriere mit Ende des vergangenen Winters für beendet erklärt, nachdem er in Livigno sein zweites Olympia-Gold gewonnen hatte. Er wollte sich dem Radsport widmen, genauer gesagt dem Cyclocross, und dort 2030 um Olympia-Medaillen kämpfen. Wie Heute berichtet, wurde Cyclocross jedoch nicht ins Olympia-Programm aufgenommen. Anfang September verkündete der Gewinner von 24 Weltcuprennen dann, dass er dem Parallel-Snowboard erhalten bleibt.
Schlüsselbeinbruch und eine Nacht um 3 Uhr
„Ich bin, so ehrlich muss ich sein, eher der radelnde Snowboarder als der snowboardende Radler“, erklärte Karl seinen Sinneswandel. Im Sommer hatte er sich bei einem Rad-Sturz am Wörthersee das Schlüsselbein gebrochen. „Dann sagte ich mir: ,Benni, wie viele Watschen brauchst du noch?'“
Um 3 Uhr nachts sei er aufgewacht und habe Nina von seinen Plänen erzählt. „Die reagierte fast erleichtert, dass ich beim Snowboarden bleibe“, sagte Karl. Sie habe ihm geraten, noch eine Nacht darüber zu schlafen. Seine Entscheidung stand aber fest: „Ich darf den geilsten Job der Welt machen, das wurde mir in dem Moment bewusst.“
Prommegger und Payer üben Kritik
Im eigenen Team kam die Rückkehr nicht gut an. In der „Krone“ sagte Andreas Prommegger: „Ich sehe es nicht positiv.“ Alexander Payer meinte: „Die Teamchemie ist in Gefahr.“
SnowboardEli Bouchard feiert ersten Weltcup-Sieg im SlopestyleKarl reagierte darauf gelassen: „Wenn jemand so viele Jahre wie ich im Snowboardzirkus dabei ist und über einen so langen Zeitraum immer wieder mit denselben Menschen zu tun hat, dann gibt es Baustellen und unterschiedliche Meinungen.“ Einen Kampf mit den Kollegen suche er nicht. „Ich will zum positiven Teamklima beitragen und versuchen, die Jungen zu unterstützen. Leute wie meinen Freund Arvid Auner etwa.“ Es bleibe „Raum für Gespräche“, man sei schließlich viel gemeinsam unterwegs.
Shitstorm nach „Mindgames“-Aussagen
Nicht nur aus dem Team, auch in den sozialen Medien bekam Karl viel Kritik ab. „Social Media ist schon die Härte mit all den Kommentaren, die jeder, anonym oder nicht, unter ein Posting stellen kann – ob es damit zu tun hat oder nicht“, sagte er. Gegenwind gibt es nach wie vor wegen seiner Aussagen im Podcast „Mindgames“, in dem er über die klare Rollenverteilung in seinem Haushalt gesprochen hatte.
„Ich würde mir wünschen, dass mir die Leute manchen Fehltritt verzeihen können. Der Shitstorm, der Hass, lässt mich nicht kalt. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen.“
Zur Familie sagte Karl: „Über die Zeit entwickelt sich der Mensch und damit auch seine Ziele. Dann gilt es, diese wieder zu synchronisieren. Und manchmal sprühen dabei Funken. Was mich aber freut, ist, dass Nina und ich immer wieder einen gemeinsamen Weg finden. Dafür bin ich auch dankbar.“



