Sofia Goggia steht nicht am Start, wenn am 24. Oktober in Sölden der Weltcup-Winter der Frauen beginnt. Die 33-jährige Italienerin hat beim Medientag des italienischen Wintersportverbands FISI in Mailand erstmals ausführlich über einen Sommer gesprochen, der sie nach eigenen Worten mehr gequält hat als jede ihrer zahlreichen Verletzungen. Goggia hatte sich mit dem Chikungunya-Virus infiziert, das durch Mückenstiche übertragen wird, und anschließend zusätzlich mit dem Parvovirus B19.
„Ich hatte in meiner Karriere schon viele Verletzungen, aber die Schmerzen, die ich im Sommer hatte, waren unglaublich und mit nichts vergleichbar“, sagte die Abfahrts-Olympiasiegerin von 2018 laut ORF. Die italienische Sportzeitung Tuttosport stellte eine andere Aussage in die Schlagzeile: „Dolori invalidanti, facevo fatica anche a parlare“, also lähmende Schmerzen, bei denen ihr sogar das Sprechen schwerfiel.
Abbruch des Trainingslagers in Ushuaia
Den Berichten zufolge fühlte sich Goggia im Juni noch weitgehend normal. Im Juli wurde es dann ernst. Beim Schneetraining der italienischen Mannschaft im argentinischen Ushuaia verschlimmerte sich ihr Zustand so stark, dass sie das Lager abbrechen musste. Sie schilderte bleierne Müdigkeit, Schläfrigkeit am Tag und dauerhaft geschwollene Knie. Dazu kamen neurologische Symptome, die für eine Speed-Spezialistin besonders beunruhigend sind: Zittern in den Beinen, Gleichgewichtsstörungen und eine gestörte Koordination zwischen Kopf und Körper. Zeitweise konnte sie kaum Treppen hinuntergehen, und die Gelenkschmerzen hielten sie auch nachts wach.
Inzwischen ist die akute Phase vorbei, doch ausgestanden ist die Krankheit noch nicht. Goggia sprach von Fortschritten „Tag für Tag, manchmal Stunde für Stunde“, aber auch von Rückschlägen. Mit neurologischen Beschwerden kämpft sie weiterhin. Ein festes Datum für die Rückkehr in den Weltcup gibt es nicht.
Comeback frühestens im November
Der Plan ist vorsichtig. In der kommenden Woche will Goggia zurück auf den Schnee, um zu testen, wie ihr Körper reagiert. Danach soll das Konditionstraining wieder aufgenommen werden. Laut ORF könnte sie frühestens im November annähernd ihre gewohnte Leistungsfähigkeit erreichen. Tuttosport berichtet, dass sie die Rennen in Nordamerika ins Auge fasst. Der Riesenslalom in Sölden kommt dafür ohnehin zu früh.
Auch im Umfeld hat sich etwas verändert. Wie Tuttosport schreibt, ist künftig Gianluca Rulfi ihre technische Bezugsperson, und ihr langjähriger Servicemann Barnaba Greppi hat aufgehört. Goggia gab sich trotzdem zuversichtlich. Sie habe schon mehrfach bewiesen, dass sie nach langen Pausen zurückkommen könne, und sorge sich nicht um ihre Saison.
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Die Zwangspause hat offenbar auch ihr Selbstbild verändert. „Questo stop per la prima volta mi ha fatto rivalutare me stessa“, sagte sie, also: Diese Pause habe sie zum ersten Mal dazu gebracht, sich selbst neu zu bewerten. Sie schätze ihre bisherigen Erfolge mehr und sei weniger streng mit sich. Bei 29 Weltcupsiegen und Olympiagold gibt es dafür einiges zu würdigen.
Für Italiens Speed-Team ist die Nachricht dennoch ein Dämpfer. Goggia war über Jahre das Aushängeschild in Abfahrt und Super-G und gehört zu den Topfavoritinnen, sobald sie gesund ist. Wie lange Chikungunya nachwirken kann, ist ungewiss. Italienische Medizinportale wiesen nach ihrem Fall darauf hin, dass Gelenkbeschwerden bei einem Teil der Betroffenen über Monate bestehen bleiben.
Ihr großes Ziel steht trotzdem fest: die Weltmeisterschaft in Crans-Montana vom 1. bis 14. Februar. Bis dahin bleiben knapp vier Monate, um aus einem Sommer im Krankheitsmodus wieder in den Rennmodus zu finden.



