Für Domen Prevc endete der Sommer-Continental-Cup in Klingenthal mit einem Dämpfer, der bis weit in den Winter hineinreicht. Am Sonntag, 4. Oktober, landete der Slowene im ersten Durchgang auf der Großschanze der Vogtland Arena bei 143,5 Metern und hätte damit zur Halbzeit auf Platz zwei gelegen. Doch die Jury nahm den Sprung aus der Wertung: Disqualifikation wegen eines regelwidrigen Anzugs, dazu eine Gelbe Karte. Und die wird Prevc nach den neuen FIS-Regeln mit in die Weltcup-Saison 2026/27 nehmen.
15 Millimeter zu viel am Oberschenkel
Nach Angaben von skispringen.com und Sport1 war der Anzug im oberen Bereich des Hosenbeins um 15 Millimeter weiter als erlaubt. Slowenische Medien wie RTV Slovenija sprachen allgemein von „Unregelmäßigkeiten am Anzug“. Siol.net zufolge wiegt die Strafe für das slowenische Team doppelt: Durch den Ausfall von Prevc habe Slowenien einen zusätzlichen Quotenplatz verpasst und müsse beim Weltcup-Auftakt in Lillehammer mit vier statt fünf Springern antreten.
Besonders schwer wiegt jedoch die Gelbe Karte. Seit dem 1. Juli 2026 gilt im Skispringen eine verschärfte Regel: Karten werden nicht mehr zum Saisonwechsel gelöscht, sondern bleiben ab dem Tag der Ausstellung zwölf Monate gültig. FIS-Renndirektor Sandro Pertile hatte erst wenige Tage zuvor klargestellt, dass alle seit dem 1. Juli verteilten Karten zwölf Monate lang aktiv bleiben. Eine zweite Gelbe Karte bedeutet Rot – und damit neben der Disqualifikation eine Sperre für die beiden folgenden Wettbewerbe. Ein weiterer Materialverstoß im Winter hätte für Prevc also unmittelbare sportliche Folgen.
Gleiches Schicksal wie Schwester Nika
Pikant: Erst eine Woche zuvor hatte es Prevcs Schwester Nika Prevc erwischt. Die Gesamtweltcupsiegerin der vergangenen Saison wurde beim Continental Cup in Hinterzarten wegen der Luftdurchlässigkeit ihres Anzugs disqualifiziert und ebenfalls mit Gelb belegt. Das slowenische Team legte dagegen Einspruch ein und argumentierte, ein unbeabsichtigter Verstoß dürfe nicht automatisch eine Karte nach sich ziehen. Über den Protest ist nach skispringen.com noch nicht entschieden. Damit starten womöglich beide Prevc-Geschwister mit einer Verwarnung im Gepäck in den Winter.
Sportlich lief das Wochenende für Domen Prevc bis zum Sonntag gut. Am Samstag hatte er sich nach Rang neun im ersten Durchgang noch auf Platz zwei vorgearbeitet. Mit 254,2 Punkten lag er hinter dem Österreicher Clemens Aigner (265,3) und vor dem Polen Jakub Wolny (251,1).
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Der große Gewinner von Klingenthal heißt Clemens Aigner. Der 33-Jährige aus Steinach am Brenner gewann auch den Sonntagswettbewerb mit Sprüngen auf 142 und 137,5 Meter und 284,5 Punkten vor dem Slowenen Anže Lanišek (277,0) und seinem Teamkollegen Raffael Zimmermann (261,7). Zimmermann hatte mit 145 Metern den weitesten Sprung des ersten Durchgangs gezeigt. Aigner beendet den Sommer-Continental-Cup damit ungeschlagen: sechs Wettbewerbe, sechs Siege, die maximale Ausbeute von 600 Punkten. Die Gesamtwertung hatte er sich bereits am Samstag mit seinem fünften Sieg gesichert.
Aus deutscher Sicht kamen Luca Roth und Ben Bayer am Sonntag auf die Plätze acht und neun. Bei den Slowenen landete Rok Oblak auf Rang 14, Rok Masle wurde 28., Lovro Kos verpasste als 36. die Punkteränge.
Für Domen Prevc beginnt der Winter nun mit einer klaren Vorgabe: Bis Anfang Oktober 2027 darf ihm bei keiner Materialkontrolle mehr ein Fehler unterlaufen, sonst droht ihm die Rote Karte samt Sperre für zwei Weltcup-Springen.



