Council-Entscheid in Genf: 2028 bleibt WM-frei
Der Internationale Ski- und Snowboardverband FIS hat seine Pläne für eine zusätzliche Weltmeisterschaft im Jahr 2028 begraben. Nach einer Sitzung des FIS-Councils in Genf teilte der Verband mit, dass es im Kalender 2027/28 kein weiteres Großereignis geben wird. Das berichtete die Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Freitagmorgen.
Grundlage der Entscheidung ist eine Machbarkeitsstudie, die die FIS selbst in Auftrag gegeben hatte. Deren Fazit laut Verband: Der späte Zeitpunkt für die Vermarktung würde Risiken für die Qualität der Durchführung mit sich bringen und das wirtschaftliche Potenzial einschränken. Mit anderen Worten: Für eine Premiere in gut 16 Monaten wäre schlicht zu wenig Vorlauf geblieben, um Sponsoren, TV-Partner und einen Austragungsort sauber aufzustellen.
Betroffen gewesen wären gleich mehrere Disziplinen. Die geplante Extra-WM sollte Ski Alpin, Nordisch, Snowboard und Freestyle umfassen und damit erstmals ein Weltmeisterschaftsformat in einem geraden Jahr etablieren.
Grundsatz bleibt: Großevents ab 2032 in geraden Jahren
Vom Tisch ist die Idee damit aber keineswegs. Die FIS hält ausdrücklich daran fest, ab 2032 in geraden Jahren ohne Olympische Winterspiele ein internationales Großereignis zu etablieren. Nach Einschätzung des Verbands könnte die Lücke im globalen Sportkalender zusätzliche Reichweite schaffen und wirtschaftlichen Mehrwert bringen.
Bisher finden die alpinen und nordischen Weltmeisterschaften im Zweijahresrhythmus in ungeraden Jahren statt. Würde das Konzept umgesetzt, gäbe es künftig in jedem Winter ohne Olympia ein Titelevent – also fast jährlich eine WM.
Gegenwind aus Österreich und der Schweiz
Genau dieser Punkt hatte in den vergangenen Wochen für deutliche Kritik gesorgt. Der Österreichische Skiverband lehnte das Vorhaben ab: Die ÖSV-Präsidentenkonferenz sprach sich Ende August einstimmig gegen den Plan aus. ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher warnte laut ORF: „Das Besondere an einer WM ist dann nicht mehr vorhanden.“ Der Verband befürchtet eine Entwertung des Weltcups, eine Inflation von WM-Titeln und einen noch volleren Kalender für die Athletinnen und Athleten.
Auch aus dem Schweizer Lager kamen skeptische Töne. Schweizer Superstar Marco Odermatt hält laut Schweizer Medienberichten wenig von der Idee einer nahezu jährlichen WM. Für die Stars des Weltcups, die schon jetzt einen dicht getakteten Winter mit Rennen von Oktober bis März bestreiten, wäre ein weiterer Saisonhöhepunkt eine zusätzliche Belastung.
Ski AlpinFIS-Beben geht weiter: Trinkl lehnt Waldner-Nachfolge abDie FIS selbst argumentiert dagegen vor allem mit zusätzlicher Reichweite und neuen Einnahmen. Der Verzicht auf 2028 ist daher weniger eine Abkehr als eine Verschiebung – mit mehr Zeit für Ausschreibung und Vermarktung.
Der Blick geht nach Crans-Montana und Falun
Für die Sportlerinnen und Sportler ändert sich kurzfristig nichts. Der nächste Saisonhöhepunkt bleibt die WM 2027: Die Alpinen kämpfen in Crans-Montana in der Schweiz um Medaillen, die Nordischen in Falun in Schweden. Snowboarder und Freestyler tragen ihre Titelkämpfe 2027 in Österreich aus, verteilt auf Vorarlberg (Montafon) und Tirol (Kühtai).
Bevor es so weit ist, beginnt die neue alpine Weltcupsaison am 24. und 25. Oktober mit den traditionellen Riesenslaloms auf dem Rettenbachferner in Sölden. Wie es mit dem Großevent-Plan ab 2032 konkret weitergeht – Format, Vergabe, Austragungsorte – will die FIS in weiteren Schritten ausarbeiten.



