Kot schockt das Feld: Polnischer Heimsieg in Wisla – Roth 16.

Erster Sieg seit fast neun Jahren: Kot triumphiert auf der Adam-Małysz-Schanze

Was kaum jemand erwartet hatte, wurde am Samstag in Wisla Wirklichkeit: Maciej Kot hat den Auftaktwettbewerb des Sommer-Grand-Prix 2026 gewonnen. Der 34-jährige Pole landete im ersten Durchgang bei 127,5 Metern, steigerte sich im zweiten auf 132,5 Meter und sammelte 271,7 Punkte — genug für seinen ersten Sieg auf höchstem internationalen Niveau seit Februar 2017. Auf der HS134-Schanze, die den Namen von Polens größter Skispringerlegende trägt, löste der Jubel der Heimzuschauer eine Welle der Erleichterung und Freude aus.

„Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Der Tag war wirklich hart — ich dachte, ich könnte hier meine besten Sprünge der Saison zeigen, aber niemals hätte ich geglaubt, dass es für die Top Ten oder sogar den Sieg reichen würde”, sagte Kot nach der Siegerehrung. Es war ein Triumph, der fast ein Jahrzehnt auf sich warten ließ: Seit 2017 hatte der Pole zwar sporadisch Podestplätze im Weltcup eingefahren, doch ein Einzelsieg war ihm verwehrt geblieben.

Bachlinger und Stoch komplettieren das Podest

Hinter Kot belegte der Österreicher Niklas Bachlinger mit 268,5 Punkten den zweiten Platz — konstante 130,5 Meter in beiden Durchgängen. Auf Rang drei folgte Kamil Stoch (Polen) mit 268,4 Punkten, vom Zweiten durch lediglich einen Zehntel Punkt getrennt. Stochs Weiten lagen bei 126 und 130 Metern. Das slowenische Duo Žiga Jelar und Lovro Kos vervollständigte die Top Fünf.

Der Wettbewerb wurde durch eine ungewöhnlich hohe Zahl an Disqualifikationen geprägt. Die FIS-Kampfrichter griffen konsequent durch und schickten mehrere Athleten wegen Verstößen gegen die in dieser Saison verschärften Anzugregelungen aus dem Wettbewerb. Die neuen Vorschriften sollen aerodynamische Vorteile durch übergroße oder sonst nicht regelkonforme Sprunganzüge verhindern. Dass sie nun mit aller Schärfe angewendet werden, dürfte die weitere Entwicklung des Sommerwettbewerbs maßgeblich beeinflussen.

DSV-Entwicklungsteam: Roth als bester Springer

Das Deutsche Ski-Team reiste mit einem Aufbaukader nach Wisla. Luca Roth schlug sich als bester DSV-Mann wacker und erreichte Rang 16. Adrian Tittel landete auf Platz 24. Die Stammkräfte der Nationalmannschaft — Karl Geiger, Andreas Wellinger, Pius Paschke, Philipp Raimund und Felix Hoffmann — ließen den Auftakt bewusst aus. Bundestrainer Andreas Mitter hat den Fokus auf die nächste Sommer-Grand-Prix-Station in Courchevel (8./9. August) gelegt, wo das Startfeld deutlich hochkarätiger besetzt sein wird.

Im Damen-Team fehlt A-Kader-Frontfrau Selina Freitag ebenfalls; Juliane Seyfarth führte die DSV-Frauen in Polen an. Auch Cheftrainerin Heinz Kuttin begründete die Entscheidung mit dem langfristigen Saisonplan: Für die jüngeren Athletinnen wie Alvine Holz und Julina Kreibich war Wisla ein wichtiger Auftritt mit internationalem Wettbewerbserfahrung.

Weiter geht es am Sonntag und in Courchevel

Am Sonntag folgt in Wisla der zweite Wettbewerb: Damen-Qualifikation ab 11:30 Uhr, Herren-Finale ab 14:45 Uhr. Dann verlagert sich der Sommer-Grand-Prix in die französischen Alpen nach Courchevel, wo am 8. und 9. August die gesamte deutsche Spitze zurückerwartet wird. Für Maciej Kot bleibt der Samstag ein besonderer Tag — als Beweis, dass Erfahrung und Heimvorteil auch im modernen Skispringen noch entscheidend sein können.