Edgar Grospiron ist am Donnerstag, 10. September, als Präsident des Organisationskomitees (Cojop) der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2030 in den französischen Alpen zurückgetreten. Das Komitee gab den Rücktritt bei einer Sitzung seines Exekutivbüros bekannt. Laut France 3 tagte das Gremium am Sitz des Komitees in Décines, laut dem Sender ICI gab Grospiron seinen Abschied in einer Videokonferenz bekannt.
Das Exekutivbüro habe die Entscheidung des 57-Jährigen zur Kenntnis genommen, teilte das Organisationskomitee mit. Der Schritt sei „Teil eines bewusst gewählten, gut organisierten und verantwortungsvollen Übergangs im Interesse des Projekts und seiner Leitung“. Nach Angaben des Komitees wollen die Beteiligten der Organisation damit einen raschen Eintritt in die neue operative Phase ermöglichen.
„Den Staffelstab weitergeben“
Grospiron, der 1992 in Albertville Olympiagold auf der Buckelpiste gewann, begründete seinen Schritt auf LinkedIn:
„Nach mehreren Monaten voller Spannungen auf der Führungsebene komme ich zu dem Schluss, dass die Bedingungen für mich nicht mehr gegeben sind, dieses Abenteuer fortzusetzen.“
Es sei mittlerweile „richtiger, den Staffelstab weiterzugeben, als daran festzuhalten“, schrieb der Franzose. Manche würden von Scheitern oder Aufgeben sprechen, räumte er ein. Es habe Hindernisse, Zusammenstöße und schwierige Entscheidungen gegeben.
Der Haut-Savoyarde war im Februar 2025 an die Spitze des Komitees berufen worden. Seine Amtszeit beziffert ICI auf eineinhalb Jahre, das Cojop selbst spricht in seiner Mitteilung von 19 Monaten. In dieser Zeit habe das Komitee unter seiner Präsidentschaft eine Identität aufgebaut sowie die Sportstättenkarte und das Sportprogramm validiert, hieß es. Das IOC nahm den Rücktritt ebenfalls zur Kenntnis und erklärte, Grospiron habe „solide Grundlagen“ gelegt. Die wirtschaftlichen Fundamente des Projekts seien solide, zudem verfüge es über einen robusten Masterplan für die Sportstätten.
Monatelange Krise im Komitee
Das Cojop steckt laut der Schweizer Zeitung „Le Temps“ seit mehreren Monaten in einer schweren Governance-Krise und hatte das Vertrauen der Beteiligten verloren. Wie der ORF unter Berufung auf „Le Monde“ berichtete, eckte Grospiron mit seinem Managementstil an und verlor das Vertrauen bis hinein in die Regierung.
Die Serie der Abgänge begann laut „Le Temps“ im vergangenen Dezember mit dem Rücktritt von Operationsdirektorin Anne Murac. Im Februar, während der Winterspiele von Mailand-Cortina, folgte Cyril Linette – vom ORF als Generaldirektor, von „Le Temps“ als Nummer zwei des Komitees bezeichnet – nach „unüberwindbaren Meinungsverschiedenheiten“ mit Grospiron. Insgesamt folgt der Rücktritt laut ORF auf das Ausscheiden von drei anderen Führungskräften.
FreestyleGravenfors triumphiert im Dual Moguls bei Junioren-WM in AiroloWeder eine Generalinspektion noch die Übergangsführung durch den früheren Präfekten Michel Cadot oder die Ankunft von Präfekt Vincent Roberti als neuer Generaldirektor brachten die Führung laut „Le Temps“ wieder ins Lot. Zu Sommerbeginn wurde zudem ein Audit zum sozialen Klima im Komitee eingeleitet, wie ICI berichtete. Auch positive Nachrichten wie die Vorstellung der Embleme, EDF als erster Premium-Sponsor und die fertige Karte der Austragungsorte änderten daran nichts.
Noch am Dienstag hatte das Cojop mitgeteilt, dass die für Mittwoch in Lyon geplante Vorstellung eines zweiten Sponsors verschoben werde – „nicht aber die Partnerschaft selbst“. Man wolle die Präsentation von der Sitzung des Exekutivbüros am Donnerstag trennen.
Generalversammlung am 14. September
Eine außerordentliche Generalversammlung am Montag, 14. September, soll die Übergangszeit bis zur Ernennung einer neuen Präsidentin oder eines neuen Präsidenten regeln. Bis zu den Winterspielen 2030 bleiben dreieinhalb Jahre. Nach Chamonix 1924, Grenoble 1968 und Albertville 1992 sind die französischen Alpen dann zum vierten Mal Gastgeber.



