Österreichischer Auftakt ohne den Titelverteidiger
Die Paul-Ausserleitner-Schanze in Bischofshofen kehrt nach 19-jähriger Pause in den Sommer Grand Prix der Nordischen Kombination zurück. Freitagabend wurden die Vorsprungs-Wettbewerbe auf der HS142 ausgetragen — das Vorspringen entscheidet über die Startreihenfolge im Gundersen, der heute Samstag als erster punktewertiger Wettbewerb der Sommerserie auf dem Programm steht. Am Sonntag folgen die Individuellen Compact-Wettbewerbe, ehe der Tross nach Oberstdorf weiterzieht.
Der große Schatten über dem Auftakt trägt den Namen Johannes Lamparter. Der amtierende Gesamtweltcupsieger stürzte am 5. August beim Sprungtraining in Courchevel und zog sich dabei einen Bruch des rechten Sprunggelenks, einen Riss des Syndesmosebandes sowie eine Verletzung des medialen Kollateralbandes im rechten Knie zu. Die Operation fand am Folgetag im Sanatorium Kettenbrücke in Innsbruck statt. Ski Austria ließ bisher offen, wie lange der Titelverteidiger ausfallen wird und ob er die Saison 2026/27 plangemäß aufnehmen kann. Damit fehlt dem Auftakt in Bischofshofen der Top-Favorit, was das Feld so offen erscheinen lässt wie seit Jahren nicht.
Rettenegger Zweiter, Norwegen dominiert das Vorspringen
Im Männer-Vorspringen zeigte Norwegen seine Klasse: Jens Luraas Oftebro gewann mit einem Sprung auf 137,5 Meter und sicherte sich damit die günstigste Startposition für den Gundersen. Österreich antwortete durch Thomas Rettenegger, der 135,5 Meter weit sprang und den zweiten Rang belegte — ein starkes Zeichen der Österreicher, die trotz Lamparters Ausfall konkurrenzfähig bleiben. Einar Luraas Oftebro, Bruder von Jens, komplettierte das Podium mit 133,5 Metern. Einen deutlicheren Auftaktsieg für Norwegen als diesen 1-2-3 hätte es kaum geben können.
Der Deutsche Skiverband hatte für Bischofshofen und Oberstdorf ein Aufgebot nominiert. Spezifische Einzelresultate der deutschen Starter aus dem Vorspringen lagen bis Redaktionsschluss nicht vor; die Gundersen-Ergebnisse werden im Laufe des Samstags folgen.
Frankreich erlebte eine schwierige Freitagnachmittag. Gaël Blondeau war auf Rang 32 (118 m) bester Franzose; Edgar Vallet kam auf 106,5 m (Platz 45), Lubin Martin auf 101,5 m (Platz 47). Marco Heinis wurde disqualifiziert, Maël Tyrode trat im Vorspringen nicht an.
Frauen: Brabec führt, Baud auf Rang zwölf
Im Damen-Vorspringen setzte sich die US-Amerikanerin Alexa Brabec mit 129 Metern an die Spitze. Die Norwegerin Ida Marie Hagen folgte mit 123 m auf Rang zwei, die Slowenin Ema Volavsek war Dritte mit 117 m. Frankreichs einzige Starterin Romane Baud sprang 107,5 Meter und klassierte sich auf Rang zwölf — ein Rückstand, der in der Langlauf-Phase des Gundersens aufgeholt werden kann.
Tourplan: Oberstdorf, dann Chaux-Neuve ohne Norwegen
Nach dem Bischofshofen-Wochenende folgt Oberstdorf als nächste Station; den Abschluss macht Chaux-Neuve am 22. und 23. August in Frankreich. Norwegen wird dort nicht starten, nachdem ein Feuer die dortige Sprunganlage beschädigt hatte. Das verleiht den Ergebnissen in Österreich und Deutschland besonderes Gewicht: Wer hier Punkte sammelt, kann sich in der Gesamtwertung entscheidend absetzen. Für Rettenegger bedeutet das, dass jeder Podiumsplatz in Bischofshofen und Oberstdorf einen höheren Stellenwert hat als in einem vollständigen Sechser-Feld — eine Chance, die der Österreicher nach seinen starken 135,5 Metern im Vorspringen zu nutzen gedenkt.