Thursday, July 16, 2026
Biathlon nach Preuß: Flunger übernimmt, Hettich-Walz führt

Biathlon nach Preuß: Flunger übernimmt, Hettich-Walz führt

Franziska Preuß und Johannes Kühn sind zurückgetreten. Wie sich der deutsche Biathlon neu sortiert — und warum der Umbruch international noch größer ausfällt.

Der deutsche Biathlon startet in eine neue Zeitrechnung. Mit Franziska Preuß hat das Gesicht des Frauen-Teams nach den Winterspielen von Milano-Cortina ihre Karriere beendet, bei den Männern trat Johannes Kühn ab. Der im Mai vorgestellte Kader zeigt, wie der Verband den Umbruch angehen will — und international fällt die Zäsur sogar noch größer aus.

Neue Trainerin, neue Hierarchie

Die auffälligste Personalie steht an der Bande: Sandra Flunger übernimmt als neue Trainerin die deutschen Frauen. Sportlich rückt Janina Hettich-Walz in die Führungsrolle, die Preuß hinterlässt — sie soll das Team in der Saison nach dem Abschied der Vorzeigeathletin anführen.

Der am 6. Mai benannte Kader umfasst in der Lehrgangsgruppe 1a sechs Männer und acht Frauen. Bei den Männern bilden Philipp Horn, Philipp Nawrath, Justus Strelow und David Zobel den Kern der Mannschaft, die den Verlust von Kühn auffangen muss.

Wierer geht — und mit ihr eine Generation

International verabschiedet sich mit Dorothea Wierer eine der prägenden Figuren des Sports: Die 36 Jahre alte Italienerin beendet ihre Karriere. Österreich verliert gleich drei Athleten, darunter den 43-jährigen Simon Eder sowie Komatz und Hauser. Auch in Schweden endet mit dem Rücktritt von Ivarsson eine Karriere. Der Biathlon verliert damit binnen weniger Monate gleich mehrere Aushängeschilder — und mehrere Nationen müssen ihre Teams parallel neu aufbauen.

Der Umbruch reiht sich in eine längere Entwicklung ein: Die norwegischen Bø-Brüder hatten sich bereits im März 2025 aus dem Weltcup verabschiedet und arbeiteten bei den Spielen in Milano-Cortina als Experten für den Sender NRK.

Norwegen sortiert hart aus, Frankreich bleibt stabil

Für Diskussionen sorgt derweil die norwegische Kaderpolitik: Strømsheim, immerhin Massenstart-Weltmeister von 2025, und Sørum fehlen nach gesundheitlichen Problemen im Aufgebot. Olympiasieger Botn ist dagegen dabei. Zusätzlich verstärkt sich das Team auf ungewöhnlichem Weg: Der 24 Jahre alte Langlauf-Medaillengewinner Einar Hedegart wechselt zum Biathlon. Bei den Frauen setzen die Norweger auf Sprint-Olympiasiegerin Kirkeeide und auf Tandrevold.

Frankreich geht dagegen ohne großen Umbau in den Winter: Der Kern um Gesamtweltcupsieger Perrot, Sprint-Olympiasieger Fillon Maillet, Jeanmonnot und 15-Kilometer-Olympiasiegerin Simon bleibt intakt. Kurios ist allenfalls die Sommerplanung von Jacquelin, der einen Abstecher in den Profi-Radsport unternimmt.

Die nächsten Fixpunkte

Ehe es wieder um Weltcup-Punkte geht, steht für die Szene ein Schaufenster-Termin an: Der M4Energy City-Biathlon steigt am 23. August in Dresden, nachdem die Veranstaltung von Wiesbaden dorthin umgezogen ist. Dort dürfte sich erstmals andeuten, wie die neu formierten Teams den Sommer genutzt haben.

Das große Ziel der Saison liegt dann in Estland: Vom 8. bis 21. Februar 2027 findet die Weltmeisterschaft in Otepää statt — zum ersten Mal richtet das Land eine Biathlon-WM aus. Die Titelkämpfe überschneiden sich teilweise mit der Alpin-WM in Crans-Montana (1. bis 14. Februar), ehe ab dem 24. Februar in Falun die Nordischen ihre Medaillen vergeben. Für das neue deutsche Frauen-Team um Hettich-Walz und Trainerin Flunger ist es die erste große Standortbestimmung nach der Ära Preuß.

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