Federica Brignone holt olympisches Gold in der Abfahrt von Cortina – nur 315 Tage nach ihrer schweren Knieverletzung.
Die 34-jährige Italienerin triumphierte auf der legendären Olympia-Piste in Cortina d'Ampezzo mit einem Vorsprung von 41 Hundertstelsekunden auf ihre Landsfrau Nadia Delago und 52 Hundertstel auf die Österreicherin Cornelia Hütter. Für Brignone ist es die erste olympische Goldmedaille ihrer Karriere.
Das Comeback der "Tigre" ist umso bemerkenswerter, als sie sich vor gut zehn Monaten eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte. Viele Experten zweifelten daran, ob sie rechtzeitig zu den Olympischen Spielen zurückkehren würde. Doch Brignone bewies einmal mehr ihre außergewöhnliche Mentalität und Klasse.
Perfekte Fahrt auf heimischem Schnee
Von Beginn an zeigte Brignone eine nahezu fehlerfreie Fahrt. Bereits am Sprung des Duca d'Aosta bewies sie eine optimale Linie und eine aggressive, aber kontrollierte Fahrweise. In der technisch anspruchsvollen Mittelsektion baute sie ihren Vorsprung kontinuierlich aus, auch wenn sie an einigen Toren etwas weiter vorbeifahren musste als geplant.
Besonders beeindruckend war ihre Leistung im unteren Streckenteil, wo sie trotz eines kurzen Moments der Instabilität die Linie perfekt hielt und mit kraftvollen, langen Schwüngen über die Kante ging. Die italienischen Kommentatoren waren begeistert: "Dai, dai, dai Fede!" – "Los, los, los Fede!" – feuerten sie die Lokalmatadorin an.
Historischer Erfolg für Italien
Mit ihrer Siegerzeit von 1:23.41 Minuten setzte Brignone ein Ausrufezeichen in einer Disziplin, in der sie in ihrer Karriere zwar regelmäßig zu den Top-Ten-Fahrerinnen gehörte, aber bei Großereignissen oft knapp am Podest vorbeifuhr. Erst im vergangenen Jahr hatte sie erstmals eine Medaille in dieser Spezialdisziplin gewonnen – nun folgte auf heimischem Schnee der größte Triumph ihrer Laufbahn.
Für Italien bedeutet Brignones Gold einen emotionalen Höhepunkt der Heimspiele. Die fünfterfolgreichste Alpine Skiing-Fahrerin aller Zeiten im Super-G bewies, dass sie auch in der Abfahrt zu den Besten der Welt gehört. Besonders bemerkenswert: Neben Brignone platzierte sich mit Delago eine weitere Italienerin auf dem Podium, was den Erfolg für das Gastgeberland perfekt machte.
Blick nach vorne: Weitere Chancen in Cortina
Für Brignone sind die Olympischen Spiele noch nicht vorbei. Die vielseitige Athletin wird auch im Riesenslalom an den Start gehen, einer Disziplin, in der sie ebenfalls zu den Medaillenkandidatinnen zählt. Nach diesem emotionalen Triumph in der Abfahrt dürfte ihr Selbstvertrauen grenzenlos sein.
Der Sieg von Cortina ist nicht nur sportlich bedeutsam, sondern auch eine Geschichte über Durchhaltevermögen, Willenskraft und die Fähigkeit, nach Rückschlägen stärker zurückzukommen. Federica Brignone hat bewiesen, dass sie nicht umsonst "La Tigre" – die Tigerin – genannt wird.