Wie trainieren britische Skeleton-Athleten für Olympia, wenn es im eigenen Land keine Eisbahn gibt? Ein Blick hinter die Kulissen zeigt ungewöhnliche Methoden.
Die Vorbereitung auf olympische Winterspiele stellt Athleten aus Ländern ohne entsprechende Infrastruktur vor besondere Herausforderungen. Während Nationen wie Deutschland oder die Schweiz über mehrere Eiskanäle verfügen, müssen britische Skeleton-Fahrer kreative Lösungen finden. Das Vereinigte Königreich besitzt keine einzige Skeleton-Eisbahn – dennoch gehört Team GB regelmäßig zur Weltspitze in dieser Disziplin.
Das Geheimnis liegt in einer speziellen Trainingsanlage an der University of Bath. Dort steht die einzige Push-Start-Bahn des Landes, auf der olympische Athleten ihre Starts perfektionieren. Die Anlage ist lediglich 140 Meter lang, doch genau diese Beschränkung ist gewollt. Der Fokus liegt ausschließlich auf den ersten 30 Metern des Rennens – jener Phase, in der die Athleten ihren Schlitten noch selbst beschleunigen können.
Der Start entscheidet über Sieg oder Niederlage
Im Skeleton ist der Anstoß der einzige Moment, in dem Fahrer aktiv Geschwindigkeit aufbauen können. Selbst minimale Verbesserungen in dieser Phase können am Ende der Bahn entscheidende Zeitvorteile bringen. Auf der Bahn in Bath ist der Schlitten an Schienen befestigt, was ein kontrolliertes Training der Starttechnik ermöglicht. Kurvenfahrten sind hier allerdings nicht möglich – die Anlage verläuft schnurgerade.
Für das Training auf echtem Eis müssen britische Athleten ins Ausland reisen. Länder wie Norwegen oder Lettland bieten die notwendigen Eiskanäle, auf denen die Fahrer ihre Lenktechnik bei Geschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern pro Stunde verfeinern können. Die Eiszeit ist dabei extrem begrenzt: Pro Saison verbringen Team-GB-Athleten weniger als zweieinhalb Stunden auf der Eisbahn.
Mentales Training ersetzt fehlende Eiszeit
Aufgrund der knappen Trainingszeit auf Eis spielt die mentale Vorbereitung eine zentrale Rolle. Die Athleten investieren zahlreiche Stunden in Visualisierungstechniken, bei denen sie die Streckenführung und ihre Lenkmanöver im Geist durchgehen. Diese Form des Trainings ist im Skeleton besonders wichtig, da die Fahrer bäuchlings mit dem Kopf voran den Eiskanal hinuntersausen und Sekundenbruchteile über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Die Olympischen Winterspiele 2026 in Milano-Cortina werden zeigen, ob diese unkonventionellen Trainingsmethoden erneut zum Erfolg führen. Trotz der infrastrukturellen Nachteile hat Großbritannien in der Vergangenheit bereits mehrere olympische Medaillen im Skeleton gewonnen – ein Beweis dafür, dass Kreativität und Entschlossenheit fehlende Ressourcen teilweise kompensieren können.
How do you train for the skeleton when there's no snow? ♂️❄️#Olympics #MilanoCortina2026 pic.twitter.com/AIl2L9zXhS
— BBC Sport (@BBCSport) February 13, 2026